Schlimme Folgen des Gebetes
Auf den Alpen soll man entweder gleich von Anfang an und fleissig oder dann gar nicht beten und zu beten rufen. – Ein Hirt der Rinderhirte Fiseten betete einst den ganzen Sommer hindurch kein Wort, tat kein christliches Zeichen, und doch hatte er keinen einzigen Unfall zu beklagen. Am letzten Abend vor der Abfahrt sagte er zu den Knechten, sie wollten noch einen Rosenkranz beten zum Dank für alles Glück des verwichenen Sommers. Sie taten es. Aber am nächsten Morgen fanden sie das vornehmste Rind der ganzen Hirte tot auf dem »spitzen Nessli«, wohin auf natürlichen Wegen ewig kein Rindvieh steigen kann.
Karl Brücker
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.