Der Grenadier
Bei der ehemaligen hölzernen, gedeckten, roten Brücke bei Bürglen, die 1885 durch einen Brand zerstört und durch eine steinerne ersetzt worden ist, sah man nachts bisweilen einen alten französischen Grenadier. Wer um die mitternächtige Stunde dort hindurch musste, begegnete ganz sicher diesem alten Krieger, welcher gewöhnlich still und ruhig neben einem Pfeiler stand.
Aber auch im Keller eines Hauses in der Nähe der Brücke wurde er ab und zu beobachtet. Einstens – es war in den siebziger Jahren – wollte ein Knabe des Hauses in den Keller. Da nahm er einen eigentümlichen Schein im Keller wahr und erblickte neben der offenen Türe den alten Grenadier in strammer Haltung. Erschrocken rief er dem Vater. Als beide aber in den Keller eindrangen, war die spukhafte Figur verschwunden. Da meinte der Vater, es sei jedenfalls ein gefallener Franzose im Keller begraben, der keine Ruhe finden könne, bis seine Gebeine in geweihter Erde wären. Man grub im Keller nach und fand wirklich Menschenknochen, die auf dem Friedhofe begraben wurden. Seither ist der Grenadier nicht mehr gesehen worden, weder im Keller noch bei der Brücke.
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.