Der Waldbruder im Felliberg
In den Fellibergen, Gemeinde Gurtnellen, ist das Waldbruderchäppeli, daneben stand früher das Brudergädemli, an dessen Stelle meine Voreltern, die Riedmatterig, später einen grossen Gaden gebaut haben. Dort hauste vor Zeiten ein Waldbruder. Der las im Chäppeli alle Tage die heilige Messe. Es muss aber ein Geist gewesen sein, denn er war niemand sichtbar ausser seinem Altardiener. Das war der Geissbub meiner Vorfahren. Der diente ihm alle Morgen, wenn er mit den Geissen gegen Fellenen zog, zu Altar. Aber der Waldbruder verbot ihm strenge, irgend jemand etwas davon zu sagen. Da er aber alle Morgen furchtbar pressierte, fiel das den Meisterleuten auf, und endlich sagten sie ihm, wenn er das Geheimnis nicht verrate, so würden sie ihn verjagen. Er war ein armer Bub, ohne Eltern, und deshalb bekannte er. Als er am nächsten und folgenden Morgen wieder zur Kapelle kam, war der Priester verschwunden, die Kerzen waren ausgelöscht, rauchten grad noch. Der Geissbub bekam ihn nie mehr zu sehen.
Joh. Jos. Walker, 72 J. alt.
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.