Der Spuk im Gitschenberg
Ganz gewaltig geisterte es im Gitschenberg ob Seedorf.
Länger als bis Mitternacht liess »es« dort die Leute nie Karten spielen. War Mitternacht da, so verschwanden einfach die Spielkarten, oder es legte sich ein gespensterhaftes Weibsbild quer über den Tisch.
Ein harmloser Bürger von Altdorf nächtigte einst im einsamen Berghäuschen, wusste aber nichts vom Spuk. Um Mitternacht fing es in der Küche an zu »spratzlen«, wie wenn da jemand ein Feuer unterhielte und kochen oder erwellen würde. Mehrmals stand der Übernächtler auf und schaute hinaus, konnte aber weder Rauch noch Feuer noch etwas Lebendes entdecken. Etwa nach einer Stunde hörte das Geräusch auf.
Sie hatten überhaupt viel Unglück unter dem Vieh. Da redeten sie einst das Gespenst an, und es liess sie wissen, es könne erlöst werden, wenn sie nicht mehr über die Zeit hinaus Karten spielen und im nächsten Jahr den ersten Anken den Kapuzinern bringen würden. Sie machten es so, und jetzt merkt man da droben nichts mehr vom Gespenst.
Mich. Walker; K. Zgraggen
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.