Die sieben Hausgeister
Bevor man ein Haus verlässt, um vom Berggut ins Tal oder vom Bodengut in den Berg zu fahren, beten alle knieend mit ausgespannten Armen die hl. 5 Wunden für die armen Seelen. Manche lassen auch im verlassenen Haus ein kleines brennendes Licht zurück für die armen Seelen.
So hatte eben eine Familie auf Golzern, die vom Gruobacher nach Silplen fahren wollte, die hl. 5 Wunden gebetet, als der Hausvater noch sagte, wenn jemand noch da sei, der mit ihnen zu Feuer und Licht kommen möchte, so könne er mitkommen, doch ihm und den Seinigen und allen im Hause ohne Schaden und Gefahr. Da hörte er ihrer 7 (arme Seelen), die ihre Stöcke neben die Haustüre stellten und dann in die Stube kamen und bereit waren, mit ihnen nach Silplen zu ziehen, und sie zogen auch wirklich mit. Als sie im Frühling wieder zu Berg fuhren, waren es nur mehr drei, die mit ihnen kamen. Die andern waren unterdessen erlöst worden.
Dieser Mann hat vieles gesehen. Wenn jemand in der Nachbarschaft starb, so kam der Tote jeweilen zu ihm und gab ihm die Hand zum Abschied. Einmal sagte er im Bett zu seiner Frau, sie solle greifen, was er in der Hand habe. Sie griff und fasste eine kalte Hand.
Andreas Fedier
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.