Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der Hausgeist im Remsenberg

Land: Schweiz
Kanton: Uri
Kategorie: Sage

Im hochgelegenen Berggut Remsen in Bürglen baute mein Vetter ein neues Haus, aber nicht mehr ganz auf der alten Stelle. Als es beinahe fertig dastand, hörten sie auf dem alten Hausplatz flennen. Mehrmals ging der Vetter auf diesen Platz hinaus, suchte und forschte, konnte aber gar nicht herausfinden, was oder wer da so weine. Endlich dachte er, da sei vielleicht eine arme Seele, und deerer miess eppis mangierän. Er holte Rat bei einem Geistlichen, und der sagte, er solle sie anreden, müsse dann aber alles erfüllen, was sie verlange. Der Vetter dachte, die wird etz ämel e keis Kapital verlangä, und redete sie an. Sie sagte ja, sy syg än armi Seel, äs alts Meitli, wo einisch vonnärä Läuwi undermä-n-Ofä erdrickt wordä syg und da miess lydä. Und jetz mecht sy äbä wider under Dach. Der Vetter sagte: »Wenn du mier und mynä Chindä und Chinds-Chindä nyt z'leid tüesch, channsch du i das nyw Hüs iberächu, i weli Chammer, dass du witt. Aber darfsch ys nyt im Wäg sy.« Die arme Seele kam dann in das neue Haus, und sie spürten nie etwas von ihr.

Ambros Walker

 

Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.