Brosamen unter dem Tisch
In Isental starb eine brave Frau von ihrem Gatten weg. Er liess ihr altem Brauch gemäss während des Dreissigsten ein Öllichtlein brennen. Eines Abends war es ohne sein Wissen erlöscht, und da rief eine Stimme: »Toni, dz Liecht isch erlescht!« Er zündete es wieder an, und jedesmal, wenn es etwa ausging, hörte er jenen Mahnruf. Jetzt liess er die arme Seele anreden, und sie bekannte, sie sei die verstorbene Gattin und müsse noch leiden, weil sie zu Lebzeiten die Brosamen beim Essen unter den Tisch gewischt und hinuntergefallene nicht aufgelesen habe.
Hans Aschwanden
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.