Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Seelenwanderung?

Land: Schweiz
Kanton: Uri
Kategorie: Sage

»Das hed yserä Vatter mängsmal g'seit, mä sell kei Chrott, kei Fresch, iberhäut keis Tierli nie plagä, das syget armi Seelä«, erzählt eine Köhlerstochter aus dem Maderanertal.

Eines Tages in den 80er Jahren brannten mein Vater und ein Kamerad, der blinde Sagerli, in unserm kleinen Heimwesen, im Rytteli, Kohlen. Da kam ein Fröschlein dahergehüpft und wollte über den Laden auf den Kohlenhaufen hinaufsteigen. Sie entfernten es, aber es kam immer wieder und wiederholte seine Anstrengungen. Jetzt sagte mein Vater: »Da muss gewiss eine arme Seele leiden.« Der Gehilfe versetzte lachend: »Ä, gläub doch äu seeligs nit; das isch äs Läärs!« Sie wurden aber darin einig, das Tierchen gewähren zu lassen. Und nun hüpfte es über den Laden auf den Gipfel des Kohlenhaufens und sprang von dort, mit einem lauten Schrei, in das Feuer hinunter.

»Das hend-si alligs gseit, i jedem Chohlähüffä und i jedem Chalch, wo si brennet, tieg än armi Seel lydä, und friähner hend-si susch flyssig b'bätet, wennd si ä Chohl uder ä Chalch b'brennt hend.« – Der Bruder der Erzählerin hingegen sagt, das habe sich nicht damals ereignet, sondern sei damals erzählt worden.

Peter und Franziska Tresch, Jos. Maria Gisler

Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.