Die kalte Hand
Als unser Vater eines Abends – er war damals in Ursern in einem Platz – die Kühe hirtete, fühlte er auf der rechten Achsel in dem Augenblicke, da er durch die Rischi hinaufsteigen wollte, eine kalte Hand, die ihn zurückstiess. Der Vater aber sagte laut: »Und da hinauf will ich, ich habe das Recht; wenn jemand hier ist und meiner Hilfe bedarf, so soll er sich zeigen und reden.« Nun stand auf einmal eine Mannsgestalt dicht vor ihm; er erkannte sie; es war sein Freund, der im verflossenen Sommer in eine Gletscherspalte zu Tode gefallen war. Der sagte zum Vater: »Ich bin dein Freund, der in einer Gletscherspalte liegt; lasse die heilige Messe für mich lesen, die mir noch mangelt, so werde ich erlöst sein.« Das hat der Vater versprochen und gehalten.
Frau Imhof-Tresch, 52 Jahre alt, Maderanertal
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.