Unchristliche Trauer
Einer armen Witwe entriss der unerbittliche Tod ihren einzigen Sohn, einen arbeitsamen, eingezogenen Jüngling, die einzige Stütze und den Trost ihres Alters. Tag und Nacht beweinte sie ihn, und niemand vermochte, die Verlassene in ihrem bittern Schmerz zu trösten. Da erschien ihr die arme Seele des so masslos betrauerten Toten und sprach: »Mutter, ich bitte euch, weint nicht mehr um mich! Solange ihr um mich weinet, habe ich keine Freude. Für euch wird der himmlische Vater sorgen.« Sprachs und verschwand.
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.