Der feurige Unhold auf Thorberg
Vor alten Zeiten hauste im Schloss zu Thorberg ein Ungeheuer. Einst soll es einem nachts von Burgdorf heimkehrenden Marktbesucher in Gestalt eines Ungetüms mit kohlschwarzem Leib von riesenhaften Ausmassen erschienen sein. Der Kopf, mit einem feurigen Helm bedeckt, sprühte helle Flammen. Mit einem glühenden Schwert in der Tatze hieb es, wie im Kampf, nach allen Seiten. Ein andermal wurde es gesehen, wie es vom Schloss her über die Bäume und Hügel hinweg spazierte.
Nach manchen erfolglosen Bemühungen gelang es schliesslich einem Pater, das Ungetüm in das Tobel unterhalb des Schlosses zu bannen. Von dort her soll man aber sein Gebrüll und Jammern zuweilen noch deutlich vernehmen. Wenn das Wetter ändern will, verlässt es für kurze Zeit seine Behausung. Dann bemerkt man nachts kleine Lichter, die wie eine Prozession über das alte Gemäuer des Schlosses hinaufkrabbeln.
Emmentaler Sagen, Hermann Wahlen, 1962 Gute Schriften Bern
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.