Das Salwidenbad
Zwischen dem Sörenberg und dem Schibengütsch liegt das alte, heilkräftige Salwidenbad. Von seinem Ursprung weiss die Sage folgendes zu berichten.
Ein Mädchen aus jener Gegend hatte unter seiner Stiefmutter viel zu leiden. Einst, als sie es blutiggeschlagen, entlief es und irrte tagelang im Gebirge und in den Wäldern umher. Schliesslich kam es zu einer Quelle, die kräftig und klar aus dem Boden hervorsprudelte. Erschöpft setzte es sich am Rande nieder, trank von dem Wasser und wusch seine Wunden. Da schwand der Schmerz aus den Gliedern, und die schwärenden Wunden heilten rasch zu. Seiner bösen Stiefmutter, die seit Jahren von einem schlimmen Leiden geplagt war, verriet es absichtlich nichts von dem Heilbrunnen.
Wie es später den Quell um einer Wunde willen wieder aufsuchte, konnte es ihn zur Strafe für seine Missgunst nirgends mehr entdecken.
Nach Jahr und Tag jagte ein Jäger in jener Gegend. Eben hatte er ein schönes Tier angeschossen. Unter Aufbietung seiner letzten Kraft schleppte es sich zu der Quelle, tauchte darin unter und verliess sie gesund. Auf diese Weise entdeckte der Jägersmann jenen Wunderbrunnen, den vor ihm ein neidisches Mädchen gefunden und wieder verloren hatte.
Emmentaler Sagen, Hermann Wahlen, 1962 Gute Schriften Bern
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.