Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Vom schwarze Hung

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Vom schwarze Hung

a) Im Toggiburg, dert wo ’s Strössli gäg Ungerausel abzweigt, gseht me mängisch i dr Nacht e schröckliggrosse Hung mit füürigen Auge. Einisch bin i mit em Eltere z’Obe spät vom Dorf heiglüffe. Du lit dr schwarz Hun bi dr Pfruendschür uber d’Stross ubere; mir hei nid verbi chönne u hei en Umweg macht. Dr Elter het zmorndrisch e gschwullne Gring gha‚ wie-n-es Mäss. Mir het's nüt to; i weiss nid worum.

b) Einisch bin i z’Nacht vo Urschebech hei. Zwüsche Wistäge u Dietel isch mer e schwarze Hung ebcho: das isch e Hung gsi wie süsch e ke Hung; d Auge hei zündtet wie ne Velolatärne.

Der schwarze Hund, der als Dorftier nächtlicherweise in den Gassen herumspukt, kehrt in vielen Sagen wieder. Alles, was hier von ihm erzählt wird, kennzeichnet ein Tier, das ohne Beziehung zu einem Menschen zu sein scheint. Aber die Entstehung dürfte doch wohl auf einen Menschen zurückführen, der zur Strafe für begangene Sünden in ein Tier verwandelt wurde. Herumschweifende Hunde mögen dem weit verbreiteten Sagenstoff noch stets neue Nahrung zuführen. In der vorliegenden Sage ging die Vorgeschichte, warum der Mensch in Tiergestalt herumspuken muss, wahrscheinlich verloren; man erzählt nur noch vom Auftreten des Hundes.

M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.