Barakenfrau bei Frick
Im Säckenberg, einem Walde nordwestlich von Frick, von dem in No. 186 a des weitern erzählt ist, sieht man am hellen Tage eine Frau, die Barakenfrau, die, wenn man ihr nahe kommt, plötzlich verschwindet, die Leute aber oft so weit in der Irre umherführt, dass sie sich über Berg und Thal nicht mehr zurecht finden können. Sie trägt, wie ehemals die Weiber auf dem Lande, einen rothen Tschopen (jupon, Jacke) über einen rothen Rock und hat einen Schinnhut auf aus gespaltenen Weidenruthen geflochten. Sie erscheint bald mit einem Armkorb, bald mit einem Stab in der Hand und bisweilen mit einer Bürde ganz kleiner Reiser auf dem Kopfe, die nicht grösser sind als Rebreiser. Ihre Wanderung geht vom Ettenberg-Egg bis zum Kellengraben. Gewöhnlich hält sie sich unter einer Eiche auf, wo sie die gesammelten Beeren dörrt und dann isst.
Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch