Die Alrune zu Buckten
Zu Buckten in Baselland wohnte ein Ehepaar, das nur zum Schein posamentirte, denn diese Leute konnten ganz aus ihren angelegten Kapitalien leben. Gleichwohl begriff niemand, wodurch sie so reich geworden waren, und man erzählte sich, der Mann müsse eine Alrune besitzen, die ihm alle Tage einen Thaler lege. Deswegen habe er wohl seinen frühern Wohnort zu Rümlingen verlassen, um sich von dem verfluchten Thiere dorten loszumachen, nachdem er reich genug geworden war. Als er aber das erste Mal in seinem neugekauften Haus zu Bückten schlief, da sei ein starkes Sausen durch das Thal gegangen, und ein alter Mann habe gesehen, wie die Alrune zu einem Mauerloch in die frischbezogene Stube hinein geflogen sei. Ein Vogel sei's gewesen mit grünen ins Goldgelbe spielenden Flügeln; aber über den Augen sei ein blutrother Kamm gesessen. Als der Mann starb, soll er besonders schlechtes Wetter zur Reise in die andere Welt gehabt haben, und sein Weib haben die Läuse gefressen.
E. L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 2, Aarau 1856
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.