Die Hexe zu Trans
Des verstorbenen Pfarrers zu Trans schöne Tochter verbarg in einer, dem Dorfe nahen Waldhöhle einen verfolgten Fremden. Es war eine Mondnacht des Hexenzeitalters. Die Gestalt des hochgewachsenen Mädchens war dem ganzen Dorfe bekannt. Der Fremde, nicht gekleidet wie die Dorfleute, wurde für den Teufel angesehen. Das Mädchen wurde gerichtlich gefangen gesetzt, als Hexe verhört und gefoltert. Nie verriet es den Zufluchtsort des Fremden, damit er nicht in den Hexenprozess verwickelt würde. Endlich hörte dieser von der Geschichte, verliess, nun kühn geworden, sein Versteck, rettete die Unglückliche aus dem schlecht bewachten Dorfgefängnis und entkam mit ihr nach Chur, wo ihm Freunde weiterhalfen. Er war ein Deutscher, bekannt mit dem berühmten Thomasius, feuerte diesen Freund noch mehr an, der Hexenverfolgung entgegenzutreten, als das unglückliche Mädchen, das er liebgewonnen, bald in Folge der Folter starb.
Aus: U. Brunold-Bigler, Die Sagensammlung der Nina Camenisch, Disentis 1987, mit freundlicher Genehmigung der Autorin.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.