Die Baretto-Balma
Eine geräumige, helle Felsenhöhle im inneren Prättigau. Ein seinem Vaterlande entflohener Italiener Baretto, soll jahrelang hier gewohnt haben. Ein düsterer Mann, tief eingeweiht in die Geheimnisse der Natur, die Landleute hielten ihn für einen Zauberer und sahen lieber seine beiden schönen Töchter. Aber auch um diese wehte etwas Fremdartiges, Übermenschliches.
Als der Vater starb, verliess die eine auf immer die Höhle; auf dem Berg sah man sie noch stillstehen und zurückschauen. Ihr zu Ehren wurde der Berg Selveretta genannt.
Die andre blieb so lange in der Höhle bei des Vaters Leiche, als es ihr möglich war dort allein auszuhalten. Endlich ging auch sie. Auf einer schönen Alp blieb sie stehen und schaute zurück.
Das schöne TaI lächelte sie an, alle seine Dörfer, ausgenommen Fidris, konnte man sehen. Die scheidende Jungfrau grüsste Tal und Dörfer und vermachte den leztern die Alp, auf welcher sie stand, ihr zu Ehren Vereina-Alp genannt, an welche alle Prättigauer Dörfer Anteil haben, Fidris ausgenommen.
Barettos Geist soll noch zuweilen im Nebel um die Höhle schweben.
Aus: U. Brunold-Bigler, Die Sagensammlung der Nina Camenisch, Disentis 1987, mit freundlicher Genehmigung der Autorin.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.