Die Kapelle von Ziteil
Ein Hirtenknabe, ungewöhnlich fromm und gut, hatte seine Herde so zahm gemacht, dass er ruhig unter ihr einschlummern konnte, und sie sich doch nie verlor. Einst überfiel ihn auch der Schlaf und ein schöner Traum. Er sah die Mutter Gottes in himmlischer Schönheit, die Hand ausgestreckt, wie das Land segnend. Drei Blutstropfen entfielen der Hand nieder auf die Erde. Der Hirt erwachte und erzählte seinen Traum dem Volk. Eine Kapelle wurde dort erbaut, ein Muttergottesbild hierin gebracht, das als wundertätig lange Scharen von Wallfahrern zu sich zog.
Aus: U. Brunold-Bigler, Die Sagensammlung der Nina Camenisch, Disentis 1987, mit freundlicher Genehmigung der Autorin.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.