Erzählen
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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die Schlittenfahrt

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Kategorie: Sage

Jünglinge und Mädchen verabredeten an einem Weihnachtstage eine wilde Schlittenpartie, d.h. es setzten sich mehrere auf Holzschlitten und fuhren einen Abhang hinunter. Der Kühnste hielt die Deichsel und konnte auf diese Weise ein wenig den Schlitten leiten. Ein frommer Jüngling hielt eine solche Fahrt an einem Weihnachtstag für Sonntagsentheiligung und wollte nicht fahren. Aber seine Braut, ein lebhaftes Mädchen, wollte es durchaus. Einzig der Braut zur Begleiltung machte er die Partie mit. Die Schlitten schossen den beeisten Abhang hinunter, verloren die Richtung und näherten sich pfeilschnell einem tiefen Abgrund. Dem frommen Jüngling gelang es mit festem Arm eine Tanne zu umklammern. Seine Braut hätte er gern gerettet, aber sie hatte sich (den Ernsten verspottend) die ganze Fahrt von ihm weg in den Arm eines andern geflüchtet. Seine ausgestreckte Hand konnte sie einzig bei den Haarflechten erfassen, als die Schlitten in den Abgrund stürzten. Aber der andre Bursche hielt das Mädchen fest umklammert, beide stürzten in die Tiefe. Dem Bräutigam blieben die Haarflechten in der Hand, er war der einzig Gerettete.

Aus: U. Brunold-Bigler, Die Sagensammlung der Nina Camenisch, Disentis 1987, mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.