Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Lichtenstein

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Kategorie: Sage

Ein hier wohnender Ritter, wüst und wild, hielt eine feine, würdige Geliebte im Arm und schaute vom Erker ins Land. Des Ritters Jagdhunde zausten eine Herde den Bauern gehörende Schweine, was dem Ritter viel Spass machte. Die geplagten Tiere hielten aber zusammen und die Hunde mussten fliehen. «Schau», sagte der Ritter zum Weib, «die Schweine sind dummes Vieh, und doch haben sie meine edlen Hunde verjagt. Die noch dümmern Bauern aber kann ich zausen, wie ich will, die verjagen mich nicht.»

Jemand trug diese Worte den Bauern zu, die machten den Versuch und verjagten den Ritter glücklich. Er hatte sich zwar tapfer gewehrt, weswegen ihn die Sieger bewunderten und sagten: «Weil ihr so tapfer, sollt ihr nicht von Bauernhänden sterben, sondern auf eurem edlen Rosse, das euch zu manchem Siege geführt, einen kühnen Ritt tun.» Sie führten das Pferd samt dem Reiter an die Felswand. «Nun mutig Herr oder ihr sterbt von Bauernhänden.»

In dieser Not versprach der Ritter seine Seele heimlich dem Teufel, wenn er ihm gesund vom Felsen helfe. Er kam auch gesund hinunter, wurde aber drunten so konfus, dass er sich ins Dorf verirrte. Dort sahen ihn die allein zu Hause gebliebenen Weiber, liefen zusammen und schlugen ihn tot.

Aus: U. Brunold-Bigler, Die Sagensammlung der Nina Camenisch, Disentis 1987, mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.