Dreierlei Schatzbohnen
Oberhalb vom Thunersee, stand vor langer Zeit die Strättliger Burg; heute steht dort nur noch ein Turm, umgeben von Wald und Büschen. Einmal, kurz nach Ostern, kam ein armer Mann am alten Turm vorbei und sah eine junge Frau auf einem Stein sitzen. Vor sich hatte sie ein weisses Leinentuch ausgebreitet und darauf lagen drei Häufchen mit verschiedenen Bohnen, wie er sie noch nie gesehen hatte. Sie waren weiss, gelb und schwarz.
«Was für wunderbare Bohnen!», rief er erstaunt aus. «Solche hätte ich auch gerne im Garten, jetzt wo bald die Zeit für das Bohnensetzen kommt.»
Die Frau lächelte, griff von jedem Häufchen eine Handvoll und sprach: «Hier nimm, sie sollen dir Glück bringen.»
Der Mann füllte die Bohnen in seinen Schultersack, bedankte sich und machte sich auf den Heimweg. Wie er so ging, schienen ihm die Bohnen im Sack immer schwerer zu werden. Schliesslich nahm er ihn vom Rücken, öffnete ihn und was sah er: Die gelben Bohnen hatten sich in Goldstücke verwandelt, die weissen in Taler und die schwarzen in Münzen. Wie freute sich der Mann! Nun hatten seine Sorgen, dank der Strättliger Jungfer ein Ende.
Sage aus der Schweiz
Fassung Djamila Jaenike, nach: E. L. Rochholz, neue Schweizer Sagen, 1862
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.