Der Gletscher ob Flims
Ob Flims in Graubünden lag eine grüne Alp, welche einer Witwe gehörte. Nebenan waren die Besitzungen eines reichen Mannes. Dieser behauptete, der Witwe Alpe gehöre ihm, denn ihr seliger Mann habe sie ihm in einem Schuldbriefe verschrieben. Die Witwe wusste aber wohl, dass die Alp ihrem einzigen Sohne bestimmt war. Als sie vor den Richter kamen, sprach dieser, vom Reichen bestochen, die Alp demselben zu. Kaum hatte er sie aber drei Tage besessen, so brach ein Unwetter los; es stürmte und donnerte, und es fiel ein solcher Schnee, dass in kurzem die weidereiche Alp mit einem Gletscher überdeckt war. Noch steht jetzt die Eismasse da wo die Alp der Witwe gegrünt hat, und ringsum blühen Gras und Kräuter.
Quelle: Theodor Vernaleken, Alpensagen - Volksüberlieferungen aus der Schweiz, aus Vorarlberg, Kärnten, Steiermark, Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Wien 1858.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung www.maerchenstiftung.ch