Die weisse Frau ohne Nase
Wenn man aus dem einsamen, stillen Münstertale über den Ofenberg nach dem Engadin wandert, so hat man sechs Stunden Weges zu machen, und man trifft nur ein einziges Haus an. Das Joch oder die Höhe des Passes heisst Buffalora, eine ausgedehnte Alp. Dort ist es unheimlich des nachts allein des Weges zu ziehen, denn aus dem Tal Rülla heraus kommt eine weisse Frauengestalt und wandelt dort umher ganz in der Nähe der Strasse. Sie trägt einen Bund Schlüssel am Arm. Was ihre Erscheinung noch grauenhafter macht, ist, dass sie keine Nase hat. Es leben gegenwärtig noch junge Leute, die sie herumwandeln gesehen haben.
Quelle: Theodor Vernaleken, Alpensagen - Volksüberlieferungen aus der Schweiz, aus Vorarlberg, Kärnten, Steiermark, Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Wien 1858.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung www.maerchenstiftung.ch