Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der feurige Unhold auf Thorberg

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Ein alter Mäusefänger aus Littau erinnerte sich aus seiner Jugendzeit noch gar wohl, in dem jetzt wiederhergestellten Schloss Thorberg oft ein gräulich Gespenst erblickt zu haben.

Einst habe er es auch am Vorabend des Allerseelentages gesehen, als er spät bei Nacht von Burgdorf nach Hause gegangen sei. Da habe er es sich genau betrachtet. Es sei von riesigem Körper und kohlschwarz gewesen, ob es aber einen Schwanz gehabt, könne er nicht genau sagen. Sein Kopf, mit einem feurigen Helm bedeckt, habe helle lichte Flammen gesprüht, so dass man hätte meinen müssen, alle Tannen würden sich davon entzünden, und mit einem ebenfalls feurigen Schwert in der Hand habe es wie im Kampf nach allen Seiten hingeschlagen.

Ein andermal wieder habe er es gesehen, wie es von dem Schloss über alle Bäume und die Berge hinweg spaziert sei, und erst vor zwanzig Jahren sei es von einem halbheiligen Pater in den Tobel unter das Schloss gebannt. Dort höre man aber sein Gebrülle und Jammern oft ganz deutlich und des Nachts sehe man bei schlechter Witterung kleine Lichtlein, die wie in Prozession das alte Gemäuer hinaufwallten.

C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen, Leipzig 1854.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch