Der Pferdegeist Zavudschaou
Bei Charmey zwischen dem Weiler La Tzintre und der Felsbrücke Iou pon daou vanni (Ie pont du Vanni) liegen die Moormatten, welche man Lé-Bourliandé nennt. Auf jenen Moorgründen werden im Spätherbste, um das Nachgras zu benutzen, viele Pferde geweidet, nachdem sie die Alpen verlassen. Etwa vor hundert Jahren noch sah man daselbst einen vierfüssigen Geist, der einem Pferde ähnlich sah und den man Zavudschaou benannte. Dieser Geist war ein loser Geselle, der gar zahm und freundlich tat, sobald jemand dort des Nachts vorbeiging, mochte es auf dem Fuss- oder engen, holperigen Fuhrwege sich ereignen. Wollte man ein Stück Weges auf dem Gaule reiten, so zeigte er sich dazu sogleich bereit, allein sobald man aufgesessen war, sprang Zavudschaou in den nahen Bach und schwamm mit der grössten Geschwindigkeit stromaufwärts, bis man entweder vor Nässe, Kälte oder Müdigkeit ohnmächtig neben dem Wasser liegen blieb, und am andern Morgen im Fieberfroste halb tot erwachte, oder nicht eher vom Kobold befreit wurde, bis man seinen Schutzengel oder einen andern Heiligen anrief, dann setzte das Pferd den Reiter auf der nächsten Wiese ganz sanft und gemächlich ab und verschwand.
C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen, Leipzig 1854.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch