Der zu Stein erstarrte Riese
In der Nähe der Bründlenalp ist die Dominikhöhle. Vor ihrem Eingange sitzt eine riesenhafte, steinerne Figur, welcher die Natur das Gebild eines Menschen gegeben hat. Unter dem Namen „der Riese des Berges" erzählt sich das Volk von ihr: diese kalte Masse sei einst Fleisch gewesen, und Blut habe ihre Adern durchströmt. Wenn ein fremder Feind in das Land gebrochen, sei sie aus ihrer Wohnung, der Höhle, hervorgekommen, um das Volk auf zur Wehr zu rufen und an seiner Spitze den Feind aus dem Lande zu schlagen. Einst aber habe im Schweizerlande selbst der Funke der Zwietracht geglommen und derselbe sei zum Hader einer blutigen Schlacht ausgebrochen, in welcher viele tausend Schweizer gefallen seien. Als da der Riese sich von seinem Lager erhoben und aus seiner Höhle hervorgetreten, um zu schauen, was im Lande vorgehe, sei er über den Anblick dieses Bruderkampfes vor Schrecken dergestalt erstarrt, dass seine Glieder sofort zu der kalten Steinmasse geworden wären, welche man noch heutigen Tages an jenem Orte sehen kann.
C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen, Leipzig 1854.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch