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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der pfeifende Hirtenbub

Land: Schweiz
Kanton: Appenzell
Kategorie: Sage

Ein Appenzeller Hirtenbub hütete einst eine Herde Ziegen. Im Zorn über die wilden, neckischen und unbändigen Tiere, rief er einst: „So wollt' ich, dass euch der Teufel hüt!“ Sogleich erschien der Teufel und sagte, das wolle er wohl tun, nur dürfe der Hirtenbub das Evangelium Johannis nicht mehr hersagen. Ohne Zögern ging dieser den Pakt ein und der Teufel freute sich schon, so leichten Kaufs eine Menschenseele erhascht zu haben.

Diese Freude war aber etwas zu früh, der Teufel war angeführt. Zwar hielt der Hirtenbub sein Versprechen, das Evangelium Johannis nicht mehr herzusagen, dafür hat er es aber von jener Stunde an alle Tage einmal gepfiffen, was auf ein und dasselbe herauskam und dem Teufel alle Macht über den Schlaukopf nahm, dessen Herde er von da an hätte hüten müssen, wenn dieser das unchristliche Bündnis nicht bereut und den Bösen nicht davon freigesprochen gehabt hätte.

C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen., Leipzig 1854.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch