Der wunderbare Spiegel
Ein armer Holzhauer, der unweit der Burgruine Bischofsstein arbeitete, sah einst zwischen dem alten Gemäuer etwas funkeln und leuchten wie Gold oder Silber oder köstliches Gestein. In der freudigen Hoffnung, vielleicht dort einen Schatz zu entdecken, der ihn für sein ganzes Leben lang zu einem reichen Mann machen könnte, eilte er näher. Was er aber fand, war weder Gold noch Silber noch Edelstein, sondern ein großer Spiegel, der glitzernd und blendend die Strahlen der Morgensonne zurückwarf. Neugierig blickte der Getäuschte hinein, statt aber sich selbst zu erblicken, glotzten ihm die Augen eines kleinen seltsamen Männchens entgegen, das grün gekleidet war und ihm drohende Blicke zuwarf. Darob erschrak der arme Teufel so sehr, dass er spornstreichs davoneilte und fernere Enthüllungen, die der Spiegel vielleicht noch gemacht, nicht mehr begehrte.
C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen., Leipzig 1854.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.