Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Das Geschrei aus dem Boden

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Zwischen dem obern und dem untern Dörfli in Oberried war es bis vor Jahren nicht geheuer. Von einer bestimmten Stelle neben der Strasse und zu einer bestimmten Zeit liess sich ein Geschrei hören wie das Quietschen eines Mitzers.

Wenn die Dorfbewohner da vorübergingen und das Geschrei ertönte, dann hüteten sie sich wohl, einen „Nebet“ zu tun, will sagen, sich nach dieser oder jener Seite umzusehen. Potz Donner ja, es gspassete da nicht!

Jeltschis Trini hat es erfahren müssen! Es war einmal bei der Grossmutter im untern Dörfli z’Dorf. Als es nachts auf dem Heimweg an den Ort kam, wurde plötzlich das Geschrei laut; es schien aus dem Boden zu kommen. Entgegen aller Vorsicht gwunderte Trini der Sache nach, indem es auch nur leicht und rasch den Kopf nach dem vermeintlichen Mitzer drehte. Aber schon das war zu viel. Als es nach Hause zu der Mutter kam, entsetzte sich diese ab dem Aussehen ihrer Tochter. Trini war im Gesicht und an den Gliedern geschwollen geworden wie eine Trommel; es lag nachher noch viele Tage krank, und nur die beste Pflege vermochte es vor einem jungen Sterben zu bewahren.

Quelle: Albert Streich, Brienzer Sagen, Interlaken 1938.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch