Der Birgli-Amm
Im Birgli, dem Landstrich zwischen dem Glyssibach und dem Lammbach innerhalb der Brienzermarch, aber auch in der Richtung auf das Kienholz zu, begegnete in später Nacht den Leuten einst der Birgli-Amm. Das war ein langer magerer Herr in schwarzem Frack und Zylinder, der späten Heimkehrern auf dem Wege oft wie aus dem Boden gewachsen entgegenkam oder vor ihnen herlief. Wohl machte er dann Schritte wie andere Leute, aber man hörte den Trapplig nicht, und es schien, als schwebe er über den Boden hinweg. Wen der Gwunder stüpfte, den Mann von vorne anzusehen, der sah in ein hageres, knochiges Gesicht von totenbleicher Farbe, bekam es mit der Angst zu tun und lief geradewegs wieder nach Hause. Am häufigsten begegnete der Birgli-Amm jungen Mädchen, die zu Unzeiten vom Abenddorf oder nächtlichen Heimlichkeiten heimkehrten; ihnen zeigte er ein so schrecklich verzerrtes Gesicht, dass ihnen der Schlotter nachher noch lange in den Gliedern hing.
Quelle: Albert Streich, Brienzer Sagen, Interlaken 1938.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch