Ein Gitzi verloren
Ein Planälpler hatte beim Abzügeln im Herbst ein Gitzi im Verlust. Alles Suchen half nichts, und alles Chetten und Pfeifen rief in den stotzigen Hängen des Tanngrindel nur das Echo wach, der Totsch kam nicht wieder.
Da ging der Älpler zu der Spiezwilerfrau. Diese sagte ihm, an der obwaldischen Alp Oberfeld ennet dem Grat alpe noch einer, das Gitzi sei bei diesem, gesund und zwäg; aber er müsse pressieren, sonst bekomme er es nicht mehr.
Der Planälpler machte sich anderntags auf den Weg. An Oberfeld alpete wirklich noch einer. Und der tat ihm auf die Nachfrage nach dem Gitzi den Bescheid: „Oh, es ist da ein Fremdes bei meinen Geissen, wenn du warten willst bis diese von der Weide kommen!“
Als des Oberfelders Geissen dann auf den Abend hin heimkamen, war das Gitzi des Brienzers wirklich dabei.
Quelle: Albert Streich, Brienzer Sagen, Interlaken 1938.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch