Die Chriesischelmen
Einmal sah Menk vom Fenster aus, wie sich auf seinem Nasengut auf der andern Seite des Sees ein paar Bürschli in den Kirschen gütlich taten. Er ging hinunter zum See und band das Schiffli los, um hinüber zu fahren, den Schelmen die Leviten zu lesen. Die Nachbarn lachten ihn schier aus: „Bis du drüben bist, haben dich die Buben längst daherflotschen sehen und sind abgehaset!“ Menk aber sagte darauf nur: „Die werden mir schon warten!“ Er stiess mit einem Fuss das Schiffli vollends ins Wasser und ruderte gemächlich und schnurgerade auf das Nasengut zu.
Als die Bürschlein im Kirschbaum den Schiffer herannahen sahen, bekamen sie es mit der Angst des Ertappten zu tun und wollten abkratzen. Aber, ohä! Keiner kam mehr vom Fleck, Beine und Arme blieben an den Ästen haften wie angeleimt, bis Menk unter den Baum getreten war, den Schelmen den Marsch zu machen. Und erst als das gründlich besorgt war, löste er den Bann, indem er sie hiess, nun herunterzukommen.
Quelle: Albert Streich, Brienzer Sagen, Interlaken 1938.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch