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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der Untergang von Gryden

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Gegenüber von Weissenbach im Simmental stand einst ein blühendes Dorf mit einem stattlichen Gasthaus. Der Sohn des Wirtes war vor Jahren nach Italien gefahren, um sein Glück zu machen. Eines Abends kehrte im Wirtshaus zu Gryden ein vornehmer Mann ein, der ein schweres Felleisen mit sich brachte. Er verlangte nach einem Nachtquartier. Es ward ihm gegeben. Der Wirt aber vermutete, dass in dem Felleisen nichts als eitel Gold zu finden sei, und da er ein habsüchtiger Mensch und von seiner Gier geblendet war, erwürgte er den Fremden um die Mitternachtsstunde und beraubte ihn seiner Habe.

Als am nächsten Morgen die Leute von Boltigen kamen, nach dem Gaste zu fragen, der sich bei ihnen als der Sohn des Grydenwirtes zu erkennen gegeben hatte, wurde dieser fahl wie die Wand und ward seiner Sprache beraubt. Die Freunde aber fanden den Fremden in der guten Stube erdrosselt. In der nächsten Nacht aber, noch ehe der Missetäter der weltlichen Gerechtigkeit überantwortet war, brach ein furchtbares Gewitter los. Der Himmel öffnete seine Schleusen, als sei es zu einer zweiten Sündflut, und vom Berge herab kam ein gewaltiger Schlammstrom, der das Dorf Gryden begrub.

Quelle: Hermann Hartmann, Sagen aus dem Berner Oberland. Nach schriftlichen und mündlichen Quellen, Interlaken 1910.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.