Die Schlangenkrone
An der Schmützenriedfluh oberhalb Zweisimmen hielt sich vor Zeiten unter einem Felsschopf eine grosse schwarze Schlange auf, die eine Edelsteinkrone auf dem Kopfe trug. Einmal an einem heissen Sommertag ass ein Ziegenhirt unter diesem Felsschopfe sein Mittagsbrot. Da kroch plötzlich die Schlange aus einem Riss im Gestein hervor, glotzte ihn mit feuerglühenden Augen an und liess ihre wundervolle Krone in der Sonne gleissen. Den Knaben überfiel beim Anblick des Tieres ein solcher Schreck, dass er nicht zu fliehen imstande war. Endlich kam ihm doch in den Sinn, die Schlange möchte vielleicht Hunger haben. Er warf ihr daher sein Mittagsbrot zu. Augenblicklich verschwand die Schlange, liess ihm aber das Krönlein zurück, das ihn zum reichen Manne machte. Er baute in Zweisimmen ein Wirtshaus, das er "zur Schwarzen Schlange" nannte. Dasselbe ist aber im ersten Dorfbrande untergegangen.
Quelle: Hermann Hartmann, Sagen aus dem Berner Oberland. Nach schriftlichen und mündlichen Quellen, Interlaken 1910.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.