Die Pestwache auf dem Hahnenmoos
Als einmal die Pest im Adelbodner Tale hauste, errichteten die Leute von Lenk auf der Höhe des Hahnenmooses eine Pestsperre. Die Adelbodner pflegen daher heute noch die Lenker damit zu necken, dass diese Massregel doch nichts gefruchtet habe. Als
einmal ein reicher Viehbesitzer aus Lenk einen armen Hirten aus Adelboden, dem die Ziegen besser bekannt waren als die Kühe, spottend fragte, ob etwa die Ziegen die verblichenen Zahlen der Uhr am niedrigen Kirchturme abgeleckt hätten, wurde er mit der Antwort heimgeschickt, nein, die Pest habe sie damals gefressen als die Lenker auf dem Hahnenmoos Wachen aufgestellt hätten um die Seuche von ihrem Tale fern zu halten. Die Pest soll in der Lenk aber erst aufgehört haben, als ein Zwerglein gekommen sei und den Leuten den Rat gegeben habe:
Esset Diktament und Schwarzbrot.
So sterbet ihr nicht all`den gächen Tod.
Quelle: Hermann Hartmann, Sagen aus dem Berner Oberland. Nach schriftlichen und mündlichen Quellen, Interlaken 1910. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.