Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der wunderbare Schnee

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Region: Adelboden
Kategorie: Sage

Die Leute zu Adelboden hatten sich zuerst im Boden, jenseits des heutigen Dorfes angesiedelt. Sie besassen aber kein Gotteshaus, sondern mussten zu Frutigen zur Kirche gehen. Der Weg aber war weit und zur Winterszeit eine grosse Mühseligkeit. Kranken und Sterbenden mangelte oft die geistliche Tröstung. Es beschlossen daher die Talleute, ein eigenes Gotteshaus zu bauen und fingen dafür im Boden an zu graben und Mauern aufzurichten. Allein es fiel jeweilen des Nachts dasjenige wieder in Trümmer, was tagsüber geschaffen worden war. Die Bauleute aber waren darüber so bestürzt, dass sie die Arbeit einstellten. Die ganze Gemeinde flehte daher den Lenker der Geschicke darum an, ihnen zu offenbaren, was geschehen solle. In der diesem Landesgebet folgenden Nacht sei nun im Kirchschwand, wo noch heutigen Tages die Kirche steht, ein Schnee gefallen, der aber nur so weit gereicht habe, dass man auf dem bedeckten Platz hätte eine Kirche erstellen können. Dieses merkwürdige Zeichen legten die Talleute als Erhörung ihres Gebets aus und beschlossen, den Bau im Boden aufzugeben und die Kirche auf die jenseitige Seite des Tales zu stellen.

Quelle: Hermann Hartmann, Sagen aus dem Berner Oberland. Nach schriftlichen und mündlichen Quellen, Interlaken 1910.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch