Des Teufels Wette
Auf dem Weissenburgberg lebte einmal ein Bäuerlein. Zu dem kam an einem bitterkalten Wintertag, da Stein und Bein fror, der Teufel in Gestalt eines Jägerburschen. Wie er merkte, dass der Stubenofen voll Hitze fast springen wollte, sagte er zum Bäuerlein: "Dein Ofen ist kalt wie Eis. Kein Vaterunser lang kann’s da einer darauf aushalten. Gilt’s einen Taler, ich halte es länger aus auf der Ofenplatte zu sitzen als du?" Um einen blanken Taler kann ich mir schon ein Loch in die Hosen brennen lassen, dachte der Bauer, und warf zu dem Geld, das der Teufel auf den Tisch getan, den seinen. Nun setzte sich der Teufel auf den Ofen und blieb eine halbe Stunde lang auf dem gleichen Platze, ohne auch nur eine Miene zu verziehen. Als das Bäuerlein an die Reihe kam, empfand es so heftige Schmerzen, dass es kaum eine Minute auf der gleichen Stelle ruhig zu bleiben vermochte "Brennt’s dich schon?" rief der Teufel schadenfroh, weil er wohl meinte, die Wette sei gewonnen. "O nein", antwortete der Bauer, "ich suche nur immer noch ein wärmeres Plätzchen." "Das gäbe mir einen Heizer für die Hölle", dachte der Teufel, liess den Taler auf dem Tische und rannte zornig zur Türe hinaus.
Quelle: Hermann Hartmann, Sagen aus dem Berner Oberland. Nach schriftlichen und mündlichen Quellen, Interlaken 1910. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.