Die Zwerge zu Riffenmatt
Es gab einmal eine friedliche Zeit, als die Zwerge von den Bergen herab sich zu den Menschen gesellten. Da konnte weder Regen noch Hagel dem Getreide schaden; die Zwerge spürten das Wetter voraus und schnitten es rechtzeitig. Sie verrichteten heimlich nachts ihr Werk in den Feldern, im Haus, im Hof, im Stall. Menschen, Tiere und Früchte gediehen prächtig.
Mitten auf dem grossen Platz stand eine mächtige Linde mit ihren dicken Ästen. Hier verbrachten die kleinen Leutchen ihre Tage.
War`s Übermut, Dummheit oder Bosheit? Eines Nachts wurde der grosse Ast, auf dem die Männchen und Weibchen meistens sassen, von Menschen angesägt. Arglos kletterten am Morgen die Kleinen auf die Linde. Doch da riss der Ast und stürzte mitsamt den Zwergen zu Boden. Ja, das war nicht zum Lachen! Erzürnt rappelten sich diese auf und riefen: „Wie gross ist doch der Undank! Uns werdet ihr hier nie und nimmermehr sehen!“
Seither ist das Glück von den Feldern und aus den Ställen gewichen. Es gedeiht nicht mehr alles, was die Bauern von Riffenmatt anpflanzen. Die Saaten werden verhagelt und im Herbst bleiben die Scheunen oft leer. Die Zwerge aber kehrten nie mehr zurück.
Quelle: Nach einem Gedicht aus: J. J. Jenzer, Heimathkunde des Amtes Schwarzenburg, Bern, 1869.
Prosafassung nach einem Gedicht aus Heimathkunde des Amtes Schwarzenburg. Bearbeitet von Anna Maria Läderach. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www. maerchen.ch.