Der Salzbrunnen im Sortel
Gutmüthige Zwerge hatten dem Küher im Sortel eine Salzquelle entdeckt, mit der Weisung, nie mehr als für einen Tag auf einmal zu fassen. Das Vieh wurde von diesem Salz fett und glänzend und gab fast die „Hälfte mehr" Milch als sonst. Viele Jahre verhielt sich die Sache so und der Sortelküher wurde ein reicher Mann, obschon er auch andern Sennen Zutritt zum kostbaren Brunnen gestattete. Als aber ein anderer Küher auf den Berg kam, wollte der nun selbstsüchtig einzig Vortheil aus seinem Brunnen ziehen und schloss ihn ringsum ein, so dass ausser ihm niemand mehr dazu kommen konnte. Die Hirten der Umgegend mussten nun das Salz von ihm kaufen und der Habsüchtige strich schmunzelnd den Erlös in die weite Tasche. Seine Freude dauerte jedoch nicht lange; denn der Brunnen versiegte und der Küher hatte nachher so viele Unfälle mit seinem Vieh, dass er bald an den Bettelstab gerieth.
Quelle: J. J. Jenzer, Heimathkunde des Amtes Schwarzenburg, Bern, 1869.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www. maerchen.ch