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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die Bohne und die Wespe

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Kategorie: Fabel/Tiermärchen

Eine Bohne und eine Wespe spazierten eines Tages über eine Ebene und kamen zu einem Bächlein, aber keine wollte durchs Wasser. Da holte die Wespe einen Strohhalm, um eine Brücke zu machen. Sie legte den Strohhalm über den Bach und sagte zur Bohne: «Geh du!» Die Bohne wollte das nicht. Aber die Wespe bestand darauf, dass die Bohne zuerst gehe. Sie, die Wespe, könnte hinunterfallen und sich die Beine brechen. Aber die Bohne liess sich nicht überreden und sagte: «Geh du voran! Du kannst fliegen, wenn du hinunterfällst.» Schliesslich ging die Wespe. Als sie mitten auf der Brücke stand, fiel sie ins Wasser. Die Bohne musste darüber so fest lachen, dass sie sich den Arsch aufriss, und sie musste sich einen Flick aufnähen lassen, den sieht man heute noch.

 

Thompson Motiv A 2741.1 (Bohne lacht, bis sie platzt; Grund für schwarzen Fleck)

 

Aus: Die drei Winde, Rätoromanische Märchen aus der Surselva, Caspar Decurtins/Ursula Brunold-Bigler, Desertina Verlag, Chur 2002. © Ursula Brunold-Bigler.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch