Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Vom Kessel

Land: Schweiz
Kanton: Basel
Kategorie: Sage

Unterhalb des Städtchens Liestal stürzt sich die Ergolz über ein paar flache Gesteinsbänke. Man heisst diesen Wasserfall, oder vielmehr die tiefe «Gumpe», die sich unten dran gebildet hat, den Kessel. Von ihm gehen dunkle Geschichten um von einem jungen Schmiedgesellen, der vor vielen Jahren auf der Wanderschaft ins Städtlein gekommen sei, sich hier in des Meisters Tochter verliebt und sie zur Frau begehrt habe. Da nun der alte Schmid nicht willens gewesen war, dem Fremden sein Kind zu geben, warf sich dieser eines Tages in das schwarze Wasser des Kessels, um seinen brennenden Kummer zu ersäufen. Nach einer Weile aber tauchte er wieder aus der Tiefe empor und trug einen schmalen Goldreifen in der groben Hand, ein zierliches Ringlein, das der Meisterstochter genau an den Finger passte. Der alte Schmid hatte nun ein Einsehen und liess seinem Kind den Willen, soll aber selber von der Begierde nach dem Gold, das in der dunklen Tiefe lag, ergriffen worden sein und in einer Nacht, als niemand es sah, den Sprung ins Wasser gemacht haben, denn man fand ihn am folgenden Tag bei den Weiden, die weiter unten standen, ans Ufer geschwemmt.

Quelle: G. Müller/P. Suter, Sagen aus Baselland, Liestal 1939.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch