Die Reifensteinjungfer
Einst kam ein armer Jüngling gegen die Reifensteinfluh. Plötzlich stand er vor einem Brunnen, auf dessen Rand eine schöne Jungfrau sass. Sie bat ihn, er möge ihr langes, goldhelles Haar kämmen. Der Jüngling nahm den Kamm zur Hand, um ihrem Wunsche zu willfahren. Doch kaum hatte er die Arbeit begonnen, als sich die Haare in Schlänglein verwandelten. Erschrocken liess der Jüngling den Kamm fallen und trat einige Schritte zurück. Da sprach die Jungfrau traurig: «Wenn du mich fertig gekämmt hättest, so wäre ich erlöst und du wärest nun unendlich reich. Es wird hier eine Tanne wachsen, und aus ihr wird eine Wiege gemacht, und das erste Kind, das darin liegt, wird mich erst erlösen können». Drauf verschwand sie.
Quelle: G. Müller/P. Suter, Sagen aus Baselland, Liestal 1939.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch