Der ausgeschlagene Schatz
Als die neuzeitlichen Verkehrsmittel noch nicht bekannt waren, benützten die Leute aus dem Waldenburgertal, die in Sissach zu tun hatten, oft den Weg über den Zunzgerberg. Nun geschah es einmal, dass ein solcher Fussgänger sich auf dem Rückwege verirrte und beim Einnachten immer tiefer in den Wald hinein geriet. Auf einmal stand er vor einer Ruine, die er ohne Furcht betrat. Zu seinem Erstaunen sah er sich in einem grossen Saal, in dessen Mitte ein Tisch stand, an welchem einige Männer eifrig schrieben. Gleichzeitig kam noch ein weiterer Mann herein, der eine Hutte am Rücken trug. Diese stellte er ab und schüttete den Inhalt, lauter Goldstücke, auf den Boden. Er forderte nun den Wanderer auf, seine Unterschrift mit eigenem Blute zu geben, dann sei alles Gold sein Eigentum. Letzterer traute der Sache nur halb und als er gewahrte, dass der Mann mit der Hütte Ziegenfüsse besass, merkte er, dass er es mit dem Bösen zu tun hatte. Standhaft verweigerte er nun seine Unterschrift. Sogleich verlor er die Besinnung, und fand sich, als er wieder erwachte, auf einer hochgelegenen Weide, die er bald als die Waldenburger Waldweide erkannte. Wie er dort hinauf gelangt war, konnte er aber nie erklären.
Quelle: G. Müller/P. Suter, Sagen aus Baselland, Liestal 1939.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch