Furt, furt
Droben auf dem urnerischen Arniberg bei Gurtnellen liegt die Leutschachalp, ein langes düsteres Tal. Da gab es auf etwa 1000 Klafter hoher Felsenwand weit ob Holz einen kleinen aber tiefen See. In dem Teil der Alp, wo die gäche Wand sich erhebt, ist ein Stafel, an dem einst ein grosser breiter Boden grünte. Einmal in der Nacht gegen die Herbstzeit hin hörten die Sennen eine schreckliche Stimme, welche immer rief: „Furt, furt, furt!" Drei Nächte nacheinander heulte der grauenvolle Ruf. Die Alpknechte schlossen daraus, sie müssten den Ort verlassen. Aber die Alpvögte wollten sich dazu nicht verstehen. In der dritten Nacht, nachdem es noch dreimal geschrieen, brach plötzlich unter furchtbarem Gekrache die ganze hohe Felswand sammt dem tiefen See, als wäre der jüngste Tag angebrochen, auf das ganze Senntum herunter und begrub Weide, Vieh, Leute und See, alles unter hohen Schutt. Seitdem hat die Stätte den Namen Furtfurt.
Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.