Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der Likibozen

Land: Schweiz
Kanton: Wallis
Kategorie: Sage

Zwischen Reckingen und Gluringen waltete der Likibozen. Viele wollten ihn früher gesehen haben. Die Ursache davon erzählte man so: Ein Bürger aus Gluringen soll vor Zeiten ins Pomatt gegangen sein und wollte eine Last Reis zurückbringen. Um den Zoll in Ulrichen zu umgehen, sei er auf einem Umweg zwischen Blinnenhorn und Hohbach heimwärts gekommen, dabei aber tödlich verunglückt.

Seitdem habe man am Ausgang von Gluringen immer einen Bozen ohne Kopf gesehen. Oft plagte er die Vorbeigehenden ganz bedenklich. Mein Grossvater erzählte mir noch selbst, er habe einmal in der Nacht dringend nach Reckingen müssen. Da sei er plötzlich mit dem Bozen zusammengetroffen, ganz nahe.

Er habe nicht mehr zurückkönnen und sei heftig erschrocken. Weil er aber dringend weitermusste, habe er geschrien: «Ich will gehen und ich muss gehen!» Dann sei der Likibozen verschwunden. Der Grossvater war aber lange Zeit nachher nicht mehr recht gesund. Der Stall, bei dem der Likibozen am meisten gesehen wurde, besonders auf der Scheunenstiege, musste man noch zu Beginn dieses Jahrhunderts aussegnen, weil das Vieh dort einfach keine Ruhe hatte.

GLURINGEN

Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch