Der Schrattfuchs
Vom Schrattfuchs erzählten früher alle. Im Sommer wie im Winter blieb er auf Niederwaldner- und Blitzingergebiet. Er tat niemand etwas zuleide, wenn man ihn nicht ausbot. Neckte man ihn jedoch, konnte er bösen Schabernack treiben.
Im Sommer hielt sich dieser Fuchs mit Vorliebe in der Schrattalpe auf. Ein Hirt sah ihn dort eines Tages auf einem Steine liegen. Er nahm seine Geissel und wollte ihm damit einen "Schmutz" geben, traf ihn aber nicht. Der Fuchs drehte sich nur gemächlich auf die Seite und blieb, wo er war.
Am selben Abend vermisste der Hirt nach der Abendweide ein Kalb. Als er in die Sennhütte trat, hörte er es jenseits eines Grabens muhen. Er musste es holen. Es lief ihm aber auf einer Wasserleitung immer voraus; der Hirt ihm nach, bis er an einer gefährlichen Stelle abstürzte und ein Bein brach. Im gleichen Augenblick jauchzte der Fuchs von der andern Seite entgegen, und das verlorene Kalb lag ruhig im Stafel.
Derjenige, der das erlebte, hat es mir selbst erzählt.
BLITZINGEN
Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch