Der Untergang von Gross-Ernen
Vor vielen und vielen Jahren war Gross-Ernen ein reiches Dorf in der Gegend bei Fiesch. Die Bewohner waren lieblos, hartherzig und bös; darum wollte sie der Herrgott zum warnenden Beispiel für andere Menschen strafen. Bevor jedoch der Himmel sein Strafgericht losliess, wollte er die Bewohner des Dorfes noch einmal auf die Probe stellen. Er sandte darum zwölf Engel in Gestalt armer Leute ins Dorf, die an allen Türen vergebens um Einlass baten. Ja man beschimpfte sie sogar von den Fenstern herab und jagte sie mit Steinen aus dem Dorf. Bei einer armen Witwe ausserhalb des Dorfes fanden die Fremden aber Einlass und Nachtherberge.
Da war nun freilich das Mass voll. Ein furchtbarer Sturm mit Blitz und Donner entlud sich in das Gebirge, welches, gelockert, unter schrecklichem Krachen zu Tal stürzte und Gross-Ernen mit Mann und Maus verschüttete. Das Dorf lag im sogenannten "Lauili". Nur das Haus und die Wiese der barmherzigen Witwe blieben verschont.
ERNEN
Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch