Die Riesenschlange im Baltschiedertal
Im wilden Räftli des Baltschiedertales, einer Viehalpe, die früher Eigentum des Bischofs von Sitten war, verbarg sich in einer Höhle eine gewaltige Schlange, welche alle anzog, die unten den Talweg aus und ein gingen. Alle bisherigen Versuche, diesen nimmersatten Todfeind unschädlich zu machen, waren vergeblich gewesen. Noch einmal versuchten drei Männer das lebensgefährliche Wagnis.
Zwei Männer banden sich unten im Talwege zusammen und stellten sich dort auf, um die Schlange aus ihrem Versteck herauszulocken und zugleich mit ihrer Schwere ihrem Atemzuge Gegengewicht zu halten. Der dritte aber war mit einer geladenen Büchse hinaufgestiegen bis nahe an das Schlangennest. Während nun die Schlange sich umsonst bemühte, die Doppellast der beiden zusammengebundenen Männer aus der Tiefe an sich zu ziehen band sich der Schütze, um ebenfalls einen Haltpunkt zu haben, an einen Baum und feuerte den ersten Schuss auf die Schlange ab. Die Schlange bäumte sich hoch auf und schoss in weitem Bogen auf den Baum los, an welchem der Schütze gebunden war. Doch sie war tödlich getroffen worden und stürzte krachend in die Tiefe des Tales hinab. Im Falle aber riss sie noch zehn Klafter weit das Bord der Gorberwasserleitung fort.
BALTSCHIEDER
Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch