Zwingherren
Auf der Burg wohnten Zwingherren. Die Bewohner der Umgebung mussten ihnen so hohe Abgaben entrichten, dass sie selber fast nicht mehr leben konnten. Dazu hatte von jedem neuvermählten Pärchen die Frau für drei Nächte in die Burg zu gehen. Das wurde den Leuten schliesslich doch zu bunt, so dass sie die Burg belagerten und endlich nach langer, langer Zeit einnahmen.
Man glaubte, die Hälfte der Schlossbewohner getötet zu haben, aber als sie wegzogen, war es eine Prozession von Niedergesteln bis an den Rotten.
Heute sieht man noch die Hofstatt der Burg, und an einem Ort heisst es, da sei der Weinkeller gewesen, weil die Steine dort he
ute noch rot gefärbt sind. Da hätten die Zwingherren den Wein gelagert. Man sagt darum: Zer Wiichüofu. Im Feschtiloch soll ein Schatz begraben sein. Man könne ihn aber nur in der Heiligen Nacht heben, während es zur Wandlung läute. Eine wüste Kröte sitze drauf und hüte das Gold.
Manche versuchten schon, hier reich zu werden. Aber es soll noch niemand gelungen sein.
NIEDERGESTELN
Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch