Im Frau Venenberg oder Venusberg
Nicht nur der Tannhäuser, auch andere sind in den Frau Vrenen- (Venus-) Berg gegangen.
Der Tannhuser, wie er bei uns mundartlich heisst, war ein so grosser Sünder, dass ihn in der ganzen Christenheit kein Beichtvater lossprechen konnte, und jeder ihn hinwies an den Papst zu Rom. Darum wallfahrtete er zu ihm und beichtete. Doch der heilige Pater entsetzte sich ob dessen Freveln und sprach: „So wenig als mein Stab da grünt, so wenig kannst du ein Kind der Seligkeit werden." Höchst traurig verliess der Tannhuser die heilige Stadt, betrübt bis zum Tode. Er lief und lief, so weit der Himmel blau. Als aber der Papst bald darauf nach seinem Stabe langte: Wunder!
Da blühte dieser, wie ein schöner Maienstock. Und schnell sandte er dem reuigen Beichtkinde nach und liess es suchen in aller Welt. Niemand konnte den Ritter finden, lange, lange nicht. Endlich wurde er entdeckt im Frau Vrenenberg, wo er an einem Tische schlief und nimmer erwachte. Sein Bart jedoch wächst fort und fort und dann, wenn er siebenmal um den Tisch herumgeht, dann, gebt Acht, ist - der jüngste Tag!
Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.